Aktuelles, HfG Ulm, Publikationen
Schreibe einen Kommentar

Vom Bauhaus beflügelt

HfG-Gründer auf der Terrasse der Hochschule im August 1955. Die Dame in der Mitte ist Inge Aicher-Scholl, links von ihr sitzt Otl Aicher, rechts Max Bill.
Foto: Ernst Hahn/Hans Gugelot

In diesem Buch erzähle ich die Geschichte der Ulmer Hochschule für Gestaltung aus dem Blickwinkel der Persönlichkeiten, die sie bevölkerten und sich mit ihren Ideen auseinandersetzten – ihrer Gründer, der Studenten und Dozenten, von Besuchern, Fans und Kritikern. Es erzählt von den Hoffnungen und Visionen der Beteiligten, von der Prägung der Menschen dieser Zeit durch den Faschismus und von den Schwierigkeiten, ihre Ideen im Alltag umzusetzen.

Das Bild auf der Titelseite zeigt die Gruppe der HfG-Gründer im Jahr 1954: Die Aufbruchstimmung, die Freude am gemeinsamen Tun. Das Hochschulgebäude ist gerade unter viel Mühen fertig gestellt, nun können sie hier zusammen arbeiten, am Aufbau einer Demokratie in Deutschland, an der Gestaltung einer besseren Welt.

Fünfzehn Jahre existierte die HfG Ulm. Dargestellt habe ich ihre Geschichte in 14 Kapiteln, einem Vor- und einem Nachwort. Beim Schreiben habe ich mich genau an die zeitliche Reihenfolge gehalten – ohne „später sollte dies geschehen“ oder „von heute aus betrachtete lässt sich kaum noch nachvollziehen …“.

Wie kann ich es spannend machen?

Es lag mir daran, ganz dicht an den Personen zu bleiben. Ich wollte erzählen, was sie erlebten, wie sie handelten und reagierten. Sie kannten das Ende der Geschichte nicht — und als Autorin wie als Leserin kann ich mich durchaus in diesen Zustand hineinversetzen, wenn ich ihren einzelnen Schritten folge.

Das ist ein literarischer Ansatz, der auch einem Sachbuch gut ansteht – und für Spannung sorgt!

Fast mein ganzes Berufsleben beschäftige ich mich jetzt schon mit der HfG. Ich habe das HfG-Archiv aufgebaut, das inzwischen ein Teil des Ulmer Museums ist, habe zahlreiche Ausstellungen gemacht und zahlreiche Wissenschaftler bei ihren Forschungsarbeiten zu diesem Thema unterstützt. Aber warum?

Wie bin ich auf dieses Thema gekommen?

Meine Mutter gehörte der Generation der ersten HfG-Studenten an. Sie hatte dieselben Ideale – unter anderem die der Guten Form. Irgendwie befürchtete sie, nicht so gut gestaltete Gegenstände könnten den Charakter ihrer Töchter verderben.

„Für uns Kinder bedeutete das: Keine Comics, keine Filzstifte, Astrid Lindgren statt Enid Blyton, weiße Zimmerwände und auch sonst nichts, was in irgendeiner Weise unter Kitschverdacht stand. (Dazu zählten gemusterte sowie pink- oder violettfarbene Dinge, Plastikartikel, Goldschmuck, die Stilmöbel meiner Großmutter, Barbiepuppen, fast alles aus dem 19. Jahrhundert sowie die schwarzen Lackschuhe unserer Freundinnen.)“

Ich habe natürlich trotzdem Mickey Mouse gelesen (Asterix war dann später erlaubt, wahrscheinlich wegen der lateinischen Zitate). Ich glaube, es hat meinem Charakter nicht geschadet.

Die alltäglichen Dinge

Aber dann wollte ich der Sache doch einmal nachgehen. Und bei dieser Gelegenheit stieß ich nicht nur auf die HfG, sondern mit ihr auf die Geschichte der Industrialisierung, und damit auf die Geschichte und Geschichten der Dinge, mit denen wir uns umgeben.

Hochschule für Gestaltung Ulm. Architekt: Max Bill
Foto: Ernst Hahn

Vom Bauhaus beflügelt. Menschen und Ideen an der Hochschule für Gestaltung Ulm

Christiane Wachsmann
in Kooperation mit dem HfG-Archiv
296 Seiten, Hardcover, 40 s/w Abbildungen
29 €, im Buchhandel erhältlich
avedition Stuttgart

Studenten über dem Eingang der HfG Ulm, um 1960
Foto: Peter Emmer

Quelle: HfG-Archiv Ulm (Fotos)

Schreibe einen Kommentar