Über mich

Schon als Kind war ich eine große Leseratte. Meine Schwester und ich liebten aber auch die Geschichten, die sich unsere Mutter ausdachte, damit wir das Apfelmus aufaßen.

Nach dem Abitur machte ich eine Tischlerlehre und studierte anschließend Architektur und Design. Ich beschäftigte mich mit der Gestaltung von Häusern und Dingen – um mich danach als Journalistin wieder den Geschichten zu widmen, von Menschen, Dingen und Häusern.

Beides konnte ich gut gebrauchen, als ich damit begann, im Museum zu arbeiten, im Archiv der Hochschule für Gestaltung Ulm.

Archiv der Hochschule für Gestaltung Ulm

Die HfG-Gründer hatten es sich auf die Fahnen geschrieben, gute Dinge für eine bessere Welt zu gestalten – und durch umfassende Bildung und ihren Einsatz für die Demokratie auch gleich die Menschen zu erziehen.

Ich begann, mich mit der HfG im Besonderen und der Industriekultur im Allgemeinen zu beschäftigen. Ich konzipierte Ausstellungen, beispielsweise über die Fotografie an der Ulmer Hochschule, die beiden Designer Walter Zeischegg und Hans Gugelot oder darüber, wie sich die HfG in der ersten Nachkriegszeit von einem eher lokalen Schulprojekt zu einer international anerkannten Gestaltungshochschule entwickelte.

Gleichzeitig  interessierte ich mich fürs Schreiben.

In der Gruppe lesen wir unsere Texte einander vor und geben uns gegenseitig Feedback. Als Leiterin bin ich lenke ich die Diskussion und gebe immer wieder Inputs — in Form von handwerklichem Know-How, vor allem aber durch Übungen und Anregungen, um ins Schreiben zu kommen . Vier Bücher mit Kurzgeschichten der Teilnehmer entstanden so in den letzten zwanzig Jahren – und nicht zuletzt hatten alle Spaß.

Manche Erfahrung konnten die Einzelnen auch beim Verfassen von Alltagstexten anwenden. In unseren zahlreichen Lesungen ließen wir das Publikum an unseren Geschichten teilhaben.

Freies Schreiben und Schreibwerkstatt

Ich besuchte Seminare und gründete auf der Suche nach Kollegen selbst eine Schreibwerkstatt. Ich schrieb Kurzgeschichten und Romane und setzte mich mit allen möglichen Aspekten des literarischen Schreibens auseinander: Wie kann ich mich motivieren? Wie fange ich eine Geschichte an, um das Interesse meiner Leser  zu wecken? Wie baue ich einen Text auf und gebe den Lesern Orientierung? Wie erzeuge ich Spannung?

Nun habe ich mein erstes Buch veröffentlicht – ein Sachbuch, das ich geplant und geschrieben habe wie einen Roman: „Vom Bauhaus beflügelt“ über die Geschichte der Hochschule. Nach einer Familienpause arbeite ich auch wieder im HfG-Archiv als Kulturvermittlerin.

Kulturvermittlerin

Die HfG-Gründer wollten nach 1945 am Aufbau der deutschen Demokratie mitwirken. Sie glaubten, mit Hilfe einer gut gestalteten Umwelt den Menschen zu einem guten Leben verhelfen zu können.

Eine ganze Gestalter-Generation wurde von dieser Schule und ihrer Haltung geprägt. HfG-Designer gestalteten Radiogeräte und Essbestecke, industriell gefertigte Häuser und Erscheinungsbilder für die Deutsche Lufthansa wie die Olympischen Spiel von 1968. Sie setzten sich mit dem konservativen Schulsystem der Vor-Achtundsechziger Zeit auseinander und für die Gesamtschule ein, arbeiteten an Konzepten für den öffentlichen Verkehr und entwarfen unter anderem die Hamburger Hochbahn und die ICE-Züge der Deutschen Bundesbahn.

Heute hat sich die Aufbruchstimmung von damals verflüchtigt. Wir leiden eher an einem Zuviel als an einem Zuwenig. Design scheint tatsächlich nur noch dazu zu dienen, die Dinge besser und vor allem – schneller als nötig – verkaufen zu können.

Die Dinge und ihre Geschichten

Muss das tatsächlich so sein? Müssen Schöpferkraft, Fleiß und Beharrungsvermögen – alles, was den Berufsstand der Designer, aber auch der Kreativen in der Wissenschaft und den technischen Berufen ausmacht,  vor allem dazu verwendet werden, immer weiter an der Spirale des Konsums zu drehen?

Darüber lohnt es sich auf jeden Fall nachzudenken. Und was könnte dazu anregender sein als die konkrete Auseinandersetzung mit dem, was uns ergibt: Den Dingen, den Organisationsformen, den Häusern, in denen wir wohnen. Sie sind nicht von ungefähr so, wie sie geworden, wie wir Menschen sie geschaffen haben – könnten aber auch anders sein.