Wasser quillt aus den Hängen, fließt in Pfützen und Tümpel, in Löcher und Furchen. Rinnsale bilden sich, springen über Steine und Wurzeln dem Bachbett zu. Das Wasser sammelt sich in der Tiefe und bahnt sich seinen Weg durch Gänge und Höhlen im Gestein, bis zum schwarzen Felsen, unter dem es unablässig hervorquillt, den Boden auswäscht und eine natürliche Mulde entstehen ließ, einen letzten Rest des Sees, der einst den Talboden bedeckte. Doch auch hier wurde das Wasser knapp, seit man am oberen Ende des Tales das Pumpwerk gebaut hatte.
Christiane Wachsmann, Elsa Anni, Anfang
Deutschland 1968. Anni führt ein unerfülltes Leben als Hausfrau in einer Kleinstadt. Sie ist die Tochter der letzten Müllerin im Nixental, Ort eines uralten Kultes. Dort leben nur noch wenige Menschen, darunter Malwida, die Frau des dortigen Großgrundbesitzers.
Malwida will das Tal an die Eletrizitätsgesellschaft verkaufen, die dort einen Stausee anlegen will. Gemeinsam mit Nico, einem jungen Hippie, macht Anni sich auf die Suche nach ihren Wurzeln im magischen Reich der Nixe. Wird es ihnen gelingen, Malwidas Pläne zu verhindern und ihre Macht über das Tal und die Menschen dort zu brechen?
Elsa Anni ist ein Roman über eine Frau in den 1960er Jahren, die sich aus dem patriarchalischen Mief der jungen Bundesrepublik Deutschland zu befreien sucht — und dabei durch die Schatten der Vergangenheit geht. Gleichzeitig stellt es die Frage nach dem Umgang der Moderne mit alten Traditionen, dem Glauben früherer Generationen und nach unserer Verwurzlung in den überlieferten Geschichten.
Weiteres Material zu dem Buch, Hintergrundinformationen zu meinen Ideen, meinen Recherchen und Überlegungen finden sich in der Rubrik Hinter den Geschichten. Dazu zählt ein Überblick über die handelnden Personen und das mitunter komplexe Verwandtschaftsverhältnis in dem Buch „Elsa Anni“. Außerdem habe ich einen Beitrag über Annis Perlenkette geschrieben, die eine so entscheidende Rolle in diesem Buch spielt. Ich stelle die Landschaft vor, in der die Geschichte spielt und erzähle etwas über die feudalistische Gesellschaftsordnung, in der die Meier und die Müllerinnen im Nixental wichtige Rollen spielten.
